

Hospitanz
Menschen, die unsere Gemeinschaft kennenlernen möchten, weil sie sich für ein eventuelles Zusammenleben mit uns interessieren, oder einfach nur, weil sie sich aus diesem Kennenlernen Anregungen für ihr eigenes Leben versprechen, können bei uns für ca 2 Wochen in einem Workerstatus verbringen. Bei einer täglichern Mitarbeit von ca 4 bis 8 Stunden , je nach Situation, können sie an unserem Alltag teilhaben.
Zum Thema tantrisches Karma Yoga: die folgenden Texte sind inspiriert durch klassische und experimentelle Ideen, denn Tantra schöpft auch aus dem jeweiligen Zeitgeist einer Kultur, und natürlich immer wieder aus dem eigenen Erleben:
Lustvoll arbeiten
1) Disziplin
Ich kann in meinem Alltagsleben üben, sowohl im beruflichen als auch im privaten: Ich tue in jedem Augenblick, was gerade ansteht. Ob im Haushalt, im Beruf oder in meiner Freizeit: Wenn ich sehe, dass etwas getan werden muss (und ich sehe es, alles andere sind faule Ausreden!), dann tue ich es, sofort und ohne Aufschub, mit Freude oder zumindest Bedachtsamkeit und immer so gut ich es kann. Beispiele:
• Das Papierablagekistchen ist voll – ich ordne die Zettel und Dokumente und hefte sie ab (und meine nicht, eine andere Arbeit sei wichtiger, weil sie mir leichter fällt.
• Auf dem Teppich entdecke ich einen Fleck – ich bemühe mich, ihn zu entfernen (und stelle nicht einen Blumentopf darauf!), auch wenn das Reiben anstrengend ist.
Alle Aufgaben, die gerade anstehen, seien es kleine oder grosse, leichte oder anstrengende, „beliebte“ oder „verhasste“: Ich erledige sie sofort, ohne dass man mich dazu auffordern muss, ohne sie aufzuschieben, ohne zu murren und ohne Unlust.
Was wir auch tun (oder lassen) im Leben: Es hat immer einen Grund – wir tun etwas “weil…” – oder einen Zweck – wir tun etwas “um zu…”. Unser Handeln ist zielgerichtet, wir wollen damit etwas erreichen. Daran wäre an sich nicht unbedingt etwas Falsches, wenn wir unsere Ziele zwar konsequent verfolgen würden, doch ohne vom Erreichen derselben abhängig zu sein.
Unsere Wirklichkeit ist meistens eine andere: Erlangen wir das Ersehnte, ist alles gut, wir sind glücklich (zumindest für eine Weile). Erlangen wir es jedoch nicht, sind wir unzufrieden, vielleicht auch frustriert, enttäuscht, wütend, deprimiert und mehr. Wir verurteilen uns selbst oder einen anderen oder die widrigen Umstände, hadern gar mit dem Schicksal oder fühlen uns schuldig, unfähig, wertlos. Möglicherweise war unser Bemühen zum Erreichen des Ziels schon von Stress, Kampf, Ängsten und anderen unangenehmen Erscheinungen begleitet.
“So ist halt das Leben!”, sagen wir dann. “Ein Auf und Ab.”
So muss das Leben aber nicht sein. Das Geheimnis liegt im Uneigennützigen, das heisst: Wir streben keinen eigenen Nutzen an bei dem, was wir tun. Auch keinen Nutzen für andere Menschen – uneigennützig darf nicht als altruistisch missverstanden werden. Wir streben mit unseren Taten überhaupt nichts an, weder für uns selbst noch für andere. Es kann auch als selbstloses Handeln bezeichnet werden: selbst-los = ohne dass unser Selbst (oder Ego) mitwirkt. Wie es in der Bhagavad Gita steht:
Du hast ein Recht auf das Handeln, aber nur auf das Handeln, niemals auf dessen Früchte; lass nicht die Früchte deines Wirkens dein Beweggrund sein, noch lass Anhaftung zur Tatenlosigkeit in dir zu.
Fest gegründet im Yoga [= spiritueller Weg], vollbringe deine Taten als einer, der jegliche Anhaftung aufgegeben hat und gleichmütig geworden ist im Misslingen und im Erfolg; denn Gleichmut wird im Yoga angestrebt.
Bhagavad Gita II, 47 f.
Wir tun also in jedem Augenblick was gerade zu tun ist, was wir im Moment für richtig halten, und lassen dann los. Wie das Ergebnis unseres Handelns auch ausfällt, wir nehmen es gleichmütig an. Dieses “Es sollte eben nicht sein” hat nichts mit Resignation zu tun, sondern mit unserem Bewusstsein, dass wir immer das bekommen, was gut für uns ist. Gut in einem übergeordneten Sinn, nämlich gut für unsere innere Entwicklung, gut um etwas zu lernen – und darüber freuen wir uns. Oder tantrisch betrachtet: die Lust an jeder Handlung.
2) Lust
Diese klugen und doch streng klingenden Worte der altindischen wedischen Tradition werden im Tantra noch verspielt ergänzt durch die Aussage, dass ein intensiv erfülltes, bewusst gelebtes Liebes-und Sexualleben den Zugang zur oben gut beschriebenen Disziplin leichter macht. Das Gesamtkonzept Leben sollte ein sinnliches sein. Meistens sind wir jedoch neidisch, weil wir auch zum Verwirklichen unserer Lustvision nicht genug Disziplin aufbringen. Und so beisst sich die Katze in den Schwanz: Aus Unlust wird noch mehr Unlust. Die Unlust bezüglich Disziplin kommt daher, weil wir oft als Kinder zu einer Pflichterfüllung gedrillt werden sollten, woraus sich unsere Aversion gegen Disziplin generell entwickelt hat. Wie auch immer aber unsere Kindheit war, wir haben nur eine Wahl: Erwachsen zu werden. Tantra lädt uns ein, das Thema spielerisch zu betrachten. Es muss keinen Konflikt zwischen Lust und Unlust geben, wenn ich erkenne, dass allein meine unbearbeiteten Emotionen meine Motivation schwächen. Wenn ich mich allen meinen Gefühlsängsten stelle, diese liebevoll und doch konsequent bearbeite, wird mein Leben voll von Lebensfreude und Tatkraft. Ich erkenne, dass mich die Lust am Leben, mit Allem verbindet. Ich erkenne, dass ich ein freier Mensch bin, der zu nichts gezwungen werden kann, und deswegen, durchströmt von der sexuellen Urkraft, die mich nährt, aus meiner eigenen Fülle des Gefühls selbstverantwortlich die alltäglichen Anforderungen leicht bewältigen kann.